Literatur-ReviewIntestinaler Ultraschall kann langfristigen Therapieerfolg bereits in den ersten Monaten vorhersagen
Intestinaler Ultraschall (IUS) hat sich beim CED-Management als einfache, nicht-invasive Methode zur Beurteilung der Krankheitsaktivität etabliert. Auch zur Vorhersage des langfristigen Therapie-Ansprechens, innerhalb weniger Wochen nach Behandlungsbeginn, kommt IUS infrage. Die prognostische Aussagekraft der Methode 4–8 oder 12–16 Wochen nach Therapiebeginn bestätigt ein aktueller systematischer Literatur-Review. In der gepoolten Datenanalyse bei Patienten mit Morbus Crohn (MC) unter Therapie mit Tumornekrosfaktor-alpha-Inibitoren (TNFi) erwies sich eine Abnahme der Darmwanddicke (BWT) ≥ 25% in den ersten Monaten nach Therapiebeginn als bester Vorhersageparameter für eine langfristig gute Response.
In dem Literatur-Review wurden Daten von 31 Artikeln ausgewertet – 18 zu MC, 9 zu Colitis ulcerosa (CU) und 4 zu akuter schwerer CU (ASCU). In 8 von 10 CED-Studien, bei denen die BWT in den Wochen 4–8 mittels IUS beurteilt worden ist, korrelierte der Befund mit der künftigen Therapieresponse. Bei Patienten mit über 12 bis zu 52 Wochen anhaltendem Ansprechen auf die Therapie hatte sich die BWT in den ersten 4–8 Wochen nach Therapiebeginn um -14,6% bis zu -43% verringert; bei Non-Respondern nur im Bereich von maximal -14% bis zu +2%. Beurteilt wurde das Ansprechen nach endoskopischen, sonographischen, klinischen und auch therapeutischen Kriterien wie Notwendigkeit einer Therapieintensivierung, Hospitalisierung oder OP.
Auch bei CU-Patienten zeigte sich der Zusammenhang zwischen deutlicher Abnahme der BMT in den ersten Therapiemonaten und langfristig gutem Ansprechen. In beiden CU-Studien mit IUS-Beurteilung der BWT in den Wochen 4–8 hatte sich der Wert bei Patienten, die langfristig eine endoskopische Remission erreichten, um -49% bis -55% verringert – im Vergleich zu einer Abnahme der BWT von nur -17% bis -38% bei Patienten, die dieses Ziel nicht erreichten. IUS ermögliche zu einem frühen Zeitpunkt der Therapie die Vorhersage eines langfristigen Ansprechens, sowohl bei MC- als auch CU-Patienten, resümieren die niederländischen Studienautoren. Auch bei ASUC-Patienten hatte die BWT-Messung per IUS Aussagekraft: Der Grad der BWT-Abnahme nach 1–3 Tagen (-34% vs. -10%) korrelierte mit der Notwendigkeit einer Salvage-Therapie.
Eine gepoolte Datenanalyse erfolgte nur bei MC-Patienten, die mit TNFi behandelt worden waren (n=649). Eine BWT-Abnahme ab dem Schwellenwert ≥ 25% bei einem IUS nach 4–8 Wochen (n=141) sagte mit hoher Spezifität (89%; 95% CI: 80%-98%) einen langfristigen Therapieerfolg voraus, bei einer Sensitivität von 52% (95% CI: 42%–62%). Der positive prädiktive Wert (PPV) lag bei 91% (95% CI: 83%–98%). Ähnlich aussagekräftig war eine deutliche BWT-Abnahme bei Messungen in den Wochen 12–16. Die Wahrscheinlichkeit eines Therapieerfolgs war bei frühzeitiger BWT-Abnahme ≥ 25% fast 9-fach (Odds Ratio 8,7 (3,2-24,0)) höher als bei Patienten mit geringer BWT-Abnahme. Zeige sich nach der Induktionstherapie mit TNFi keine BWT-Abnahme, spreche dies mit hoher Wahrscheinlichkeit für ein Nichtansprechen (PPV 86%), schreiben die Studienautoren. Sie empfehlen weitere große Studien, um die besten Zeitpunkte der IUS und optimale Grenzwerte bei der BWT-Messung festlegen zu können.
- Vos J et al. The predictive value of intestinal ultrasound for treatment response in inflammatory bowel disease: a systematic review and pooled data analysis. J Crohns Colitis 2026; 20(4): jjag017. doi.org/10.1093/ecco-jcc/jjag017
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