Mittelgradiger bis schwerer aktiver Morbus CrohnNeue US-Leitlinie favorisiert den frühzeitigen Einsatz hochwirksamer Therapien
In der neuen Praxis-Leitlinie der American Gastroenterology Association (AGA) wird bei Patienten mit mittelgradigem bis schwerem aktiven Morbus Crohn (MC) der frühzeitige Einsatz fortgeschrittener Therapien (Biologika, Small molecules) anstelle der Step-up-Therapie (nach Kortikosteroiden und Immunmodulatoren) favorisiert. Insgesamt finden sich in der neuen Leitlinie 16 Evidenz-basierte Empfehlungen.
Kennzeichen eines mittelgradigen bis schweren aktiven MC sind laut Leitlinie
- Entzündungs-bedingte mittelgradige bis schwere Abdominalschmerzen oder Diarrhoe,
- milde Symptome bei hoher Entzündungslast,
- Kortisonabhängigkeit oder nicht ausreichendes Ansprechen auf Kortison sowie die
- ausgedehnte Erkrankung oder Beteiligung des oberen Gastrointestinaltrakts.
Die US-Expertengruppe spricht sich bei diesen Patienten gegen eine Monotherapie mit Thiopurinen zur Induktion einer Remission aus. Als Alternative wird initial eine subkutane oder intravenöse Monotherapie mit Methotrexat genannt (orales MTX wird nicht empfohlen!). Bei Patienten, bei denen eine Remission erreicht worden ist, kommt zum Erhalt einer Remission eine Monotherapie mit Thiopurinen infrage.
Frühzeitig sollten fortgeschrittene Therapien eingesetzt werden. Dabei wird bei naiven Patienten ein Therapiebeginn mit den wirksamsten Substanzen empfohlen (Infliximab, Adalimumab, Ustekinumab, Risankizumab, Mirikizumab oder Guselkumab). Als etwas geringer wirksam werden in diesem Setting Certolizumab-Pegol und Upadacitinib eingeschätzt. Beim Einsatz von Infliximab wird eine Kombination mit einem Thiopurin empfohlen, bei Adalimumab und nicht-TNFi-Biologika wird hingegen keine konkrete Kombinationsempfehlung gegeben (weder mit einem Thiopurin noch mit MTX).
In der Second-line-Therapie (vor allem bei nicht ausreichender Wirksamkeit des ersten TNFi) werden als zu bevorzugende Substanzen Adalimumab, Risankizumab, Guselkumab und Upadacitinib genannt, alternativ Vedolizumab und Certolizumab-Pegol.
Bei Patienten, bei denen unter TNFi plus einem Immunmodulator eine Kortison-freie Remission über mindestens 6 Monate erreicht worden ist, sollte laut Expertenkonsens das Ausschleichen des Immunmodulators, nicht aber des TNFi erwogen werden.
- Scott FI et al. AGA Living Clinical Practice Guideline on the Pharmacologic Management of Moderate-to-Severe Crohn’s Disease. Gastroenterology 2025; 169: 1397–1448. iww.de/s15144
(ID:50703210)
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