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Meta-AnalyseNSAR & Statine erhöhen deutlich das Risiko einer mikroskopischen Kolitis

09.03.2026Ausgabe 1/20262min. Lesedauer

Eine mikroskopische Kolitis (MK) mit wässrigen Durchfällen als Leitsymptom wird in ihrer Häufigkeit vermutlich unterschätzt. Laut einem aktuellen Literatur-Review mit Meta-Analyse wird das Risiko einer MK insbesondere durch eine Therapie mit NSAR erhöht. Auch die Einnahme von Statinen und Protonenpumpenhemmern (PPI) zählt zu den Risikofaktoren.

Symptome einer mikroskopischen Kolitis können denen einer CED ähneln, allerdings ist der endoskopische Befund in der Regel unauffällig. Zum Nachweis der Entzündung des Dickdarms ist eine Biopsie mit anschließender Histologie erforderlich. Differenziert werden drei Subtypen: eine kollagene Kolitis, eine lymphozytäre Kolitis und eine inkomplette mikroskopische Kolitis. Die Inzidenz der Erkrankung, von der gehäuft Frauen betroffen sind, wird nach Angaben der Autoren des aktuellen Literatur-Reviews auf etwa 11,4 Fälle pro 100.000 Personenjahre geschätzt.

Eine Reihe von Risikofaktoren für eine mikroskopische Kolitis seien bereits beschrieben worden, berichten die ungarischen Wissenschaftler, darunter Übergewicht, Rauchen, übermäßiger Alkoholkonsum, Hormonersatztherapie (HRT) und Einnahme verschiedener Medikamente. Allerdings seien die Ergebnisse uneinheitlich. In dem Review wurden 45 Studien aus den Jahren 2021 bis 2025 einer Meta-Analyse unterzogen, darunter auch Studien mit Kontrollpersonen mit unauffälliger Histologie. Wie die Autoren berichten, erwiesen sich zunehmendes Alter, weibliches Geschlecht sowie die Einnahme von NSAR und Statinen im Vergleich zu histologischen Kontrollpersonen als Risikofaktoren für eine MK. Auch Rauchen, Alkoholkonsum, Appendektomie sowie Einnahme von PPI, selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmern, Acetylsalicylsäure und Benzodiazepinen korrelierten mit einem erhöhten MK-Risiko, allerdings nur im Vergleich zu zufällig ausgewählten Kontrollpersonen. Keine Hinweise wurden für einen Zusammenhang zwischen HRT und MK gefunden.

Unter den untersuchten Medikamentenklassen erwies sich nach Angaben der Autoren insbesondere eine NSAR-Therapie als Risikofaktor. Im Vergleich zu Personen ohne NSAR-Einnahme war das Risiko mehr als 2,5-fach erhöht (histologische Vergleichsgruppe: Odds Ratio [OR] 2,57; CI: 1,45-4,53; zufällige Vergleichsgruppe: OR 2,56; CI: 1,13-5,79). Auch die Einnahme von Statinen wurde im Vergleich zu histologischen Kontrollen mit einem signifikant erhöhten MC-Risiko assoziiert (OR 2,15; CI: 1,14-4,05; zufällige Vergleichsgruppe: OR 1,84; CI: 0,58-5,80), bei PPI wurde hingegen nur eine deutliche Risikoerhöhung im Vergleich zu zufällig ausgewählten Kontrollpersonen gefunden (OR 4,31; CI: 1,66-11,20).

Insbesondere bei Patienten mit chronischen wässrigen Durchfällen, die NSAR oder Statine einnehmen, sollte an das Vorliegen einer MK gedacht werden, so die Studienautoren.

Quelle
  • Rancz A et al. Risk Factors for Microscopic Colitis: A Systematic Review and Meta-Analysis. J Gastroenterol Hepatol 2025; 40:2148–2162. doi.org/10.1111/jgh.70007

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